Brief von Brasilien
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1. Zusammengekommen unter dem Thema “Die Neubelebung des Zeugnisses von Br. Charles de Foucauld unter der Führung des Hl. Geistes in unseren Kulturen und Kirchen” grüssen wir, die 34 Delegierten aus 22 Ländern, alle Mitbrüder der Priestergemeinschaft Jesus Caritas von der 9. Generalversammlung vom 7.-22.11.2006 in São Paulo/Brasilien.
2. Abseits der brodelnden Stadt können wir das ruhige und angenehme Ambiente der “Grünen Oase” vom Pastoralzentrum Santa Fe verkosten. Hier schöpfen wir aus der Quelle der Bruderschaft in Jesus von Nazareth. Wir schöpfen aus der Quelle des Zeugnisses des Seligen Charles de Foucauld und der Vielfalt unserer verschiedenen kirchlichen, kulturellen und nationalen Hintergründe.
3. Da ist so viel von einander zu empfangen, durch das einfache Dasein, Präsentieren und Anteilnehmen. Offenheit und das aktive Hören auf die Berichte und Zeugnisse unserer Brüder fordern uns heraus, unser eigenes Leben und den Dienst als Priester angesichts der Nöte und Hoffungen unserer Mitmenschen neu anzufragen und anzuschauen.
4. Wir haben die Fraternität hier ähnlich wie zu Hause gelebt: Die Feier der Eucharistie und die tägliche Anbetung, den Wüstentag sowie das Teilen des Wortes Gottes beim Lesen der Hl. Schrift und dem Hören auf die Erzählungen und Erfahrungen der Mitbrüder. Unterschiede in Sprache, Rasse, Kultur und Alter haben uns neue Einsichten erlaubt und zu Staunen und Respekt vor einander geführt.
5. Brasilien hat uns sein Herz geöffnet und uns geholfen, auch unsere
Herz zu öffnen, unser Denken zu weiten und (mit Hilfe von etwas Samba) auch
unseren Leib lebendig zu spüren. Die gute Aufnahme und die Gastfreundschaft
waren sehr beeindruckend. Mitbrüder der Priestergemeinschaft von Brasilien und
eine Gruppe von Laien haben unser ganzes Treffen unermüdlich und aufmerksamst
mitgetragen. Die Pfarren und Kommunitäten, deren Leben wir an den Wochenenden
teilen durften, haben uns die Erfahrung von Hingabe und Grosszügigkeit
geschenkt. Die Feiern des Glaubens waren mit Freude gefüllt und dennoch
einfach, sie waren ein Ausdruck von einem nicht klein zu kriegendem,
freimachenden und zur Spontaneität fähigen Glauben.
6. Brasilien, ganz Lateinamerika und die Karibik halten fest am “Schrei
der Armen”, welcher herausruft zu Solidarität und zum Verändern dessen, was in
den wirtschaftlichen, politischen und religiösen Institutionen das Antlitz der
Erde und der Kinder Gottes entstellt. Das Zeugnis unserer Brüder und Schwestern
im Bemühen ganz mit den Menschen zu sein und mit ihren kirchlichen
Gemeinschaften eine entsprechende Antwort zu geben ist ebenso stark wie das
FIAT, das Já Mariens von Nazareth, unserer lieben Frau von Aparecida (dem
grössten Marienwallfahrtsort Brasiliens).
7. Wir durften Beispiele kennenlernen, die uns zeigten, wie die Kirche
den Ruf des Evangeliums, mit den Armen zu sein, lebt. Wir haben von
lateinamerikanischen Theologen, von Ortspriestern und von Priestern in der
Mission sowie von den Kleinen Schwestern Jesu gehört, wie sie das Leben
geschwisterlich zu teilen suchen mit Menschen, die oft unbeachtet und an den
Rand gedrängt sind und uns doch so viel zu lehren haben.
8. Europa und Nordamerika geniessen viel an materiellem Reichtum. Damit
geht zunehmend Relativismus und Pluralismus einher. Die Zahl der Kirchgänger wird
geringer, der Klerus wird älter, es gibt nur wenige neue Berufungen und
erniedrigende Skandale haben Schatten geworfen auf die Kirche. Dennoch suchen
vielerorts Gruppen von jungen Menschen und Erwachsenen nach dem Transzendenten.
Die Herausforderung in Dialog mit Einwanderern zu leben ist heute ein starker
Ruf des "barmherzigen Samariters" nach Gastfreundschaft und Fürsorge.
Wie für Br. Charles ist auch für uns viel zu lernen in der Begegnung mit dem
Islam, der jetzt unser Nachbar ist.
9. Wir nehmen in unseren Ländern einen grossen Hunger nach Beziehung,
Freundschaft und wahrhafter Geschwisterlichkeit wahr, gleichzeitig sind wir
auch Zeugen grosser Tragödien. In vielen Teilen der Welt verarmen Millionen von
Menschen, während in anderen spirituelle Verarmung vorherrscht. Beides
untergräbt die Basis menschlicher Beziehungen geprägt von Vertrauen, Offenheit
und Würde. Der Hunger nach Annahme und Liebe, oft nicht gestillt, findet einen
Niederschlag in der steigenden Zahl von Abtreibungen, Selbstmord, Gewalt und
anderen Formen destruktiven Verhaltens. Wie auch hier in Brasilien werden arme
und verletzbare Menschen ausgegrenzt. Manche werden gleichsam hineingezwungen
in unmenschliche Lebensbedingungen, die das Leben fast unerträglich machen.
10. In den meisten unserer Länder gibt es einen merkbaren Zustrom von
Immigranten. Beiderseitiges Misstrauen machen echte Beziehungen und
Geschwisterlichkeit oft unmöglich. Die Ausbreitung des Islam in vielen unserer
Länder wird als eine Herausforderung für die bisher vorherrschenden Religionen
angesehen. Dialog und Verständnis werden zu einer grossen Aufgabe. In einer
Reihe von Ländern ist das Alter der katholischen Bevölkerung steigend und die
Zahl rückläufig. Evangelikale Kirchen mit kreativem Geist finden vermehrt Zuspruch
und laden uns ein zu ökumenischer Zusammenarbeit. Manches vom Geist des II.
Vatikanischen Konzils ist verloren gegangen. Ist das eine Folge der Angst vor
einer ungewissen Zukunft und ein Mangel des Glaubens in die Gegenwart des
Heiligen Geistes? Die Arbeitslast der Priester wächst. Suchen wir die
messianische Aufgabe zur Lösung der Probleme in der Welt anzugehen oder ziehen
wir uns ohnmächtig und enttäuscht in die Sakristei zurück?
10. Unser Leben in der Priestergemeinschaft gleicht der Erfahrung der
Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Teilen wir unsere Nöte, merken wir das Feuer,
das in unseren Herzen brennt. Jesus von Nazareth, Gott, der sein Zelt inmitten
seines Volkes aufgeschlagen hat, hat sich selbst hineingegeben in den Tod, er
ist auferstanden und geht mit uns, verborgen und doch tröstend. Br. Charles war
ganz ergriffen von diesem Gott, den er in seinen jüngeren Jahren beiseite
gelassen hatte und der ihm nach Irrungen und Wirrungen vertraut geworden ist.
Seine Suche nach dem "letzten Platz" offenbart uns einen Gott, der
sich uns voll Gnade zuwendet, sich zu uns herabneigt, um uns und alle Kreaturen
zu lieben und zu einen.
12. In der Stille der Anbetung und im Brechen des Brotes der
Eucharistie empfangen wir die unermessliche Liebe und Gemeinschaft, welche Gott
selbst uns schenkt. Hier erkennen wir alle unsere Brüder und Schwesten als von
Ihm geliebte.
13. Das Leben in der Bruderschaft, mit unseren Mitbrüdern im
priesterlichen Dienst, hat uns gegenseitige Ermutigung und Unterstützung
gebracht. Über alle Widersprüche in uns und unserer Welt hinaus, sind wir
eingeladen und herausgefordert, den weniger begangenen Weg zu nehmen, den Weg
Jesu von Nazareth, den Weg von Br. Charles, den Weg der Armen. Wir sind gerufen
zur Bruderschaft, einander wahrhaft Brüder zu sein, den Weg zu gehen mit den
Beladenen und den Verwundeten, mit den Gebrochenen und den durch die leeren
Versprechungen von Wohlstand und Macht Betrogenen. Es ist notwendig, dass wir
mit ihnen leben. Obgleich sie in grosser Verarmung leben, halten sie doch die
Hoffnung auf Erlösung im Leben Tag für Tag aufrecht.
14. 2007 werden sich die Bischöfe von Lateinamerika und der Karibik in
Aparecida in Brasilien treffen, um den Geist des II. Vatikanischen Konzils und
der späteren Konferenzen von Puebla und Medellin zu erneuern und zu beleben.
Auch wir schliessen uns diesem Pilgerweg der Hoffnung für einen neuen Aufbruch
der Kirche und der Armen in Lateinamerika und wohl auch für die ganze Kirche
an. Es war eine Freude für uns, dass wir während der Wochen des Treffens
Aparecida besuchen und dort gemeinsam mit einer grossen Zahl von Gläubigen den
Gottesdienst feiern konnten. Ebenso trafen wir dort Mitglieder der
Laienfraternität von Brasilien.
15. Die Notwendigkeit unser Leben im Geist des Evangeliums und der Bruderschaft
zu erneuern und zu vertiefen, ist uns sehr bewusst geworden. Die Seligsprechung
von Br. Charles im November 2005 hat dessen Spiritualität für die Kirche in der
ganzen Welt geöffnet. Es lädt uns ein, auf die Frage zu antworten, ob wir in
unserem Leben als Priester Br. Charles folgen wollen. Den Wüstentag und den
Nazarethmonat möchten wir in unseren Bruderschaften ganz besonders fördern.
Diese beiden Mittel sind für das Leben unserer Bruderschaft sehr wertvoll und
bedeutsam. Wir betrachten die Seligsprechung von Br. Charles als eine
Gelegenheit, neu auf jüngere Priester in unseren Diözesen zuzugehen. Ein
vertiefteres Engagement für das Evangelium und ein einfaches Leben sind
wesentlich. Das wird uns zu einer je grösseren Liebe und Präsenz für unsere
Mitmenschen, insbesondere die Ärmsten, führen.
16. Wir denken an unsere Brüder aus gewissen Teilen Asiens, Afrikas,
Australiens und Osteuropas, die aus verschiedenen Gründen nicht zu unserem
Treffen kommen konnten.
17. Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens. Sehr dankbar sind wir
Mariano Puga und seinem internationalen Team für deren prophetischen Dienst an
der Bruderschaft.
Wir bitten um Gottes Segen für den neugewählten internationalen
Verantwortlichen Abraham Apolinario (Dominikanische Republik) und sein neues
Team; José Bizon (Brasilien), Richard Reiser (USA) und Eddy Lagae (Belgien).
Die Zukunft ist in guten Händen.
Schlussendlich danken wir von ganzem Herzen der Brasilianischen
Bruderschaft, José Bizon, seinem Laienteam und den Menschen von São Paulo für
deren Grosszügigkeit und wunderbare Gastfreundschaft.
18. Dem Vater übergeben wir
unser Leben, denn der Weg ist lang.
Der Liebe Jesu vertrauen wir
an, was vor uns liegt. Amen.
Obrigado
- Danke!
Die
Brüder des IX. Welttreffens in São Paulo/Brasilien
22.
November 2006
PRIESTERGEMEINSCHAFT JESUS CARITAS
GENERALVERSAMMLUNG
São Paulo – BRASILIEN, 06. bis 22. November 2006
THEMA DER VERSAMMLUNG
„In der Kraft des Geistes in unseren Kulturen und Kirchen das Zeugnis Bruder Karls wiederentdecken".
Mariano Puga hat mich gebeten unsere Wegweisung neu zu lesen. (eine „Re-lektüre" zu machen) Von Anfang an versuchte ich, einige Fragen zu beantworten, die mir in den Sinn kamen: (1) Was heisst Re-lektüre? (2) Was ist Sinn und Zweck einer Re-lektüre? (3) An wen richtet sich eine Re-lektüre? (4) Wie ist die Relektüre machen?
Was heisst Re-lektüre der Wegweisung?
Warum anstelle von Relektüre nicht sagen Revision oder Einschätzung? Gibt es einen Unterschied zwischen Revision, Einschätzung und Relektüre? Hat Relektüre den Sinn Lücken aufzudecken, ungenaue Formulierungen richtig zu stellen, genauere Interpretationen zu liefern? Würde Revision besagen die Wegweisung ändern? Hat Relektüre den Sinn, zu überprüfen ob die Bruderschaften noch in Einklang mit der Wegweisung stehen oder umgekehrt ob die Wegweisung noch die Kraft hat, die Bruderschaften zu inspirieren? Wer oder was soll wieder neu gelesen werden? Relektüre bezieht sich auf die Wegweisung oder auf die Priestergemeinschaft? Zuletzt: Könnte Relektüre heissen, einfach die Wegweisung, nach einer gewissen Zeit wieder neu und mit Aufmerksamkeit und Liebe zu lesen, um den Reichtum, den dieses Dokument beinhaltet, sich wieder neu in Erinnerung zu rufen?
Was ist Sinn und Zweck einer Re-lektïre?
Ich habe unsere Wegweisung gelesen, gelesen und wieder gelesen. Ich kann nur sagen, dass sie meiner Meinung nach sehr gut ist und dass ich mich voll und ganz mit ihrem Inhalt identifizieren kann. Genau das, was da steht, möchte ich leben, auch wenn ich es in der Praxis nicht immer schaffe. Auch den Bruderschaften gelingt es nicht immer zu leben was in der Wegweisung steht. Unsere Wegweisung wurde 1976 während der Generalversammlung in Montefiolo erarbeitet und angenommen. Sie beginnt mit der Geschichte des verdorrten Totengebeines des Profeten Ezechiel (Ez.37.5). Diese Erzählung ist von Bedeutung weil sie uns vor Augen hält, dass wir immer in der Gefahr stehen, uns anzupassen. Sind unsere Knochen schon vertrocknet? Aber der Geist kann selbst die vertrockneten und die toten Knochen wiederbeleben. Wir brauchen immer von neuem den Hauch des Geistes. Was ist zu tun, um den Geist zu erwecken, damit er das tote Gebein wiederbelebt? Der Geist weht wo er will. Sein Hauch war voll spürbar am Beginn unserer Priestergemeinschaft. Deshalb ist es wichtig zu den Quellen zurückzukehren, unseren Anfang in Erinnerung zu rufen, den Mut haben zur Umkehr und den Willen wieder autentisch zu sein.
Aber mir scheint, eine Relektüre hat noch einen anderen Sinn. Seit Montefiolo sind 30 Jahre vergangen. Die Welt ist nicht mehr dieselbe. Der Lauf der Geschichte hat die Paradigmen von Welt und Kirche tief verändert. Wir leben unter anderen Bedingungen und in einer globalisierten Welt. Wir stehen vor der Herausforderung die Zeichen der Zeit heute wahrzunehmen und ins Bewusstsein zu rufen, unsere Spiritualität neu zu überdenken, und darüber nachdenken, wie das Charisma Bruder Karls und der Priestergemeinschaft Jesus Caritas heute zu leben ist. Die Relektüre kann ein Beitrag sein, um unsrer Priestergemeinschaft zu helfen ihrem Charisma treu zu sein, und gerade deshalb den Mut und die Freiheit zu haben, sich neu auf das Evangelium einzulassen.
Wie kann die Wegweisung heute „Wehen des Geistes", Inspiration sein?
An wen richtet sich eine Re-lektüre? Sie richtet sich an die Priester unserer Gemeinschaft
Wer sind wir?
Obwohl wir Mitglieder der Priestergemeinschft sind, haben wir uns entschieden Diözesanpriester zu bleiben, Glieder unseres Presbyteriums.Wir betrachten uns nicht als Ordenspriester oder als Priester eines Säkularinstitutes. Wir sind inkardiniert in unserer Diözese. Wir sind Träger kirchlicher Strukturen. Die meisten von uns sind Pfarrer und verrichten ihren Dienst in Pfarreien. Da die Zahl der Priester ständig abnimmt und da wir immer weniger werden, haben wir immer grössere Pfarreien zu betreuen und viele fühlen sich überlastet. Sind wir am aussterben? Als Weltpriester leben wir am Puls der Zeit. Wir machen die Erfahrung, dass die Gesellschaft in der wir leben immer stärker säkularisiert ist. Diese Gesellschaft hat ihre Spuren in uns hinterlassen und unseren Glauben beeinflusst. Unser Glaube ist oft ein angefochtener Glaube, nicht mehr der reine Glaube eines Kindes noch ist er der Glaube, der uns im Seminar, Zeit unserer Ausbildung, beigebracht worden ist.
Wie ist der Glaube in einer säkulrisierten Welt zu leben?
Die grosse Mehrheit der Leute sehen in uns nur den Priester. Die Priester sind dazu da um Messen zu lesen. Ihr Ort ist die Sakristei. Das II. Vatikanische Konzil lehrt, dass das ganze Volk Gottes und nicht nur wir Geweihte, an den drei Ämtern (múnera) Christi teilhaben, an seinem profetischen, priesterlichen und königlichen/pastoralen Amt. Wir sind also nicht nur Priester sondern auch Profeten und Könige/Pastoren. Üben wir diese drei Ämter aus, die wir bei unserer Weihe und schon bei unserr Taufe empfangen haben, oder fühlen wir uns nur als Priester, Liturgen und Diener des Heiligtums? Die Aufgabe des Presbyters ist mit und in einer Gemeinschaft leben, sie zu koordinieren, die verschiedenen Charismen und Dienste zu entdecken, die der Geist in ihr erweckt, und dafür zu sorgen, dass das Volk Gottes in Treue seine Mission ausübt.
Welches Bild machen wir uns von uns selbst? Was ist unsere Identität?
Wir sind also zuerst Diözesanpriester, aber zugleich auch Priester der Priestergemeinschaft Jesus Caritas. Wir haben unsere eigene Spiritualität. Um sie näher zu beschreiben, könnten wir sagen: Wir wollen Jesus Christus als Diözesanpriester nachfolgen. Aber was heisst das? Es gibt tausende von Möglichkeiten Jesus Christus nachzufolgen. Unter diesen vielen Möglichkeiten haben wir uns entschieden Jesus Christus nachzufolgen auf den Spuren Bruder Karls und dem Zeugnis der Priestergemienschft Jesus Caritas. Warum haben wir diesen Weg gewählt und nicht einen anderen? Hier berühren wir das Geheimnis unserer Berufung. Ich bin überzeugt: es war der Geist Gottes der uns zu Bruder Karl geführt hat, der uns die Priestergemeinschft entdecken liess und uns mit der geistlichen Familie Bruder Karls bekannt gemacht hat. Etwas hat uns beeindruckt und angesprochen: das Zeugnis eines einfachen und schlichten, eines autentischen Lebens, die Suche nach neuen Wegen in der Kirche, ein Leben in Gemeinschaft, die Sehnsucht eines kontemplativen Lebens. Das alles prägt unsere Spiritualität. Wir begegneten anderen, die ebenfalls auf der Suche waren, fühlten uns mit ihnen verwandt und gingen den gleichen Weg. Wir identifizierten uns und entdeckten unsere Spiritualität. Br. Karl und die Priestergemeinschaft wurden unser Vorbild und sie zeigten uns einen konkreten Weg der Nachfolge Jesu Christi.
Wie war mein Weg in die Priestergemeinschaft Jesus Caritas?
Wie die Relektüre machen?
In Teamarbeit. Die Relektüre kann nicht von nur einer Person vorgenommen werden. Der „vieux frère" sagte: „Die Bruderschaft ist das Leben der Priester". Wie ist das Leben der Priester? Das Leben der Priester muss Ausgangspunkt und Endpunkt aller Relektüre sein. Ausgangspunkt, weil wir hier das Leben eines jeden von uns berühren, Endpunkt, weil wir mit der Relektüre den Brüdern helfen wollen mit neuem Elan und neuer Kraft das Evangelium Jesu Christi zu leben und vor dem Volk Gottes zu bezeugen. Ich denke die Relektüre müsste eine Bestandaufnahme sein von allem was die Bruderschaften denken und leben. Wie das Leben der Priester kennen? Indem wir uns immer wieder neu darum bemühen zu sehen (nach dem Sehen kommt dann da Urteilen und das Handeln).und zwar mit kontemplativen Augen und in einer kontemplativen Haltung. Was sind die Erfahrungen, die Freuden, die Schwierigkeiten, die Herausforderungen und die Fragen die die Priester sich machen, wo nehmen sie die neue Zeichen der Zeit wahr? Ein zweiter Schritt könnte ein Gedankenaustausch und ein Gespräch sein, dessen was wir gesehen haben.
Um das Charisma der Priestregemeinschaft zu kennen müssen wir (1) ständig neu das Leben und das Zeugnis Bruder Karls vor Augen haben, (2) das Leben der Brüder, der Mitglieder der Priestergemienschaft, kennen. Das ist eine ständige Aufgabe. Wie es verwirklichen? Wie die Fülle und den Reichtum dessen was gelebt wird einfangen?
Wir haben zwei Möglichkeiten: entweder die Wegweisung so zu belassen, wie sie ist und nur neu zu komentieren, oder eine neue Fassung auszuarbeiten. Das ist die erste und grundlegende Entscheidung, von der alles andere abhängt.
UNSERE WEGWEISUNG
Die Relektüre die ich gemacht habe ist die der Wegweisug, nicht der kanonischen Satzungen.
Wie ist das Verhältnis von Wegweisung und Kanonischen Statuten zu bestimmen? Was gilt?
NAME
Piestergemeinschaft Jesus Caritas
Im portugiesischem und spanischem gibt es einen Unterschied zwischen: sacerdos und presbyteros. Sacerdos = Verwalter des Heiligen, Kultdiener, Liturge. Presbyteros = jemand der ein gewisses Alter erreicht hat, der Reife besitzt, besonders im Glauben, Mitglied eines Senates (Prebyterorum Ordinis 7)
Im englischen, französischen und deutschen gibt es nur den Begriff: priest, prêtre, Priester, vom griechischen presbyteros.
Jesus hat sich selbst nie als Priester angesehen, noch wurde er von anderen als solcher betrachtet. Er war einer unter den Leuten (Laien) und wurde für einen Propheten gehalten. Er stammte nicht von einer priesterlichen Familie ab, er gehörte nicht zum priesterlichen Stamm Levi. Niemals übte er im Jerusalemer Tempel priesterliche Funktionen aus, niemals brachte er Opfer dar. Im Gegenteil, er kritisierte das praktische Verhalten der Priester, er stand in einem wachsenden Konflikt mit ihnen und schliesslich waren es die Priester und der Hohepriester die gegen Jesus einen Prozess eröffneten und ihn zum Tode verurteilten. Auch die ersten Jünger wurden niemals als Priester angesehen, sondern als Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer (1 Kor.12.29 und Epheser 4.11). Selbst der Hebräerbrief, reserviert nur für Jesus den Titel „Hoher Priester" , während er die Verantwortlichen der Gemeinden als „Vorsteher" bezeichnet. (Hebr.13.7 und 17).
Es gibt Bruderschaften bei denen Frauen, Pastoren, Laien teilnehmen. Können sie als Mitglieder angesehen werden? Wer kann Mitgliedied der Priestergemeinschaft sein?
“As we asked recognition in Rome for a priest fraternity and we have been recognized as such, we as the International Team, consider it more logical to stay as such” Note from the International Team, march 2007
GEIST UND ZIEL
Um Jesu und des Evangeliums willen
Jesus. Welcher Jesus? Wer ist Jesus für uns?
JESUS VON NAZARETH. Die grosse Inspiration Bruder Karls war Nazareth, Jesu Leben in Nazareth. Bruder Karl vertiefte in seiner Meditation und versuchte die dreissig Jahre des verborgenen Lebens Jesu zu leben. Er entdeckte Jesus und seine Inkarnation. Einen Jesus der (mit seinen Eltern) nach Nazareth hinabstieg und ihnen untertan war. (Lk. 2.51). Einen Jesus, der nicht in Abgeschiedenheit und auf Entfernung lebte, sondern der nah war und mitten unter den Leuten, einen Jesus Arbeiter, einen menschlichen Jesus, der solidarisch, barmherzig war und mitfühlend mit den Leuten. Einen Jesus von Nazareth, nicht von Jerusalém, der Peripherie nicht des Zentrums. Von Nazareth kann etwas kommen, das taugt? (Jo.1.46). Jesus identifizierte sich mit den verlassensten und den verachtesten.
JESUS ERLÖSER. Sein Name:„Gott erlöst". „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben"(Jo.10.10). Jesus kam, um vor allem die Sünder zu retten. „Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder" (Lk.5.32). Wer sind die, die heute als Sünder gelten? Bruder Karl wollte Erlöser sein mi Jesus.
JESUS PROPHET. In der Meininug des Volkes war Jesus ein Prophet. Bevor er den Mund auftut, muss der Prophet hören. Gott spricht sowohl durch den Priester als auch durch den Prophet. Der Priester ist Mitglied der Hierarchie. Der Prophet ist aus dem Volk. Der Prophet stürzt die Mächtigen vom Thron, er erneuert, heilt und führt in die Gemeinscahft ein.
JESUS GOTTESKNECHT. Johannes der Täufer stellt Jesus vor als das Lamm Gottes, als den „ebed Iahweh", den Gottesknecht, der im 4. Lied bei Jesais beschrieben ist. (Jes.52.13 – 53.1-12). Der Knecht steht für einen anderen ein (goël). Er übernimmt die Bezahlung der Schuld anderer, um den Unterdrückten und Versklavten die Freiheit zurück zu erstatten und sie loszukaufen. Johannes sagt dass das Lamm Gottes die Sünde der Welt trägt und sie von ihr nimmt (Jo.1.29).
JESUS EUCHARISTIE. Jesus kam in die Welt, um den Vater zu offenbaren, damit er gegenwärtig uner den Menschen sei. Er ist das Sakrament des Vaters. „Wer mich sieht, sieht den Vater" (Jo. 14.9). Jesus versichert: „Meine Speise ist es den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat um sein Werk zu vollenden" (Jo4.34). Er machte den Vater offenbar und gegenwärtig in seiner Verkündigung, seiner Güte, und seines Erbarmens und in der Hingabe seines Lebens für die Brüder. Sein Leben war ein Leben des Lobes, der Hingabe und der Danksagung für seinen Vater. Er bat uns: „Tut dies zu meinem Gedächtnis". Eucharistie will genau all das besagen: die Praxis Jesus wieder neu tun und aktualisieren, durch die Gegenwart, die Danksagung, das Lob und die Hingabe des Lebens. Die Eucharistie ist die Art und Weise die Jesus ausgewält hat um unter uns gegenwärtig zu sein und zu bleiben. Eucharistie ist die Art und Weise zu sein wie Jesus. Eucharistie ist Jesus selbst in Person, Zeichen, Wirklichkeit und Verwirklichung der Liebe Gottes, Anfang des Reiches Gottes und einer neuen Zukunft.
JESUS CARITAS
Es ist die Zusammenfassung all dessen wer Jesus ist.
Wie leben und erfahren die Priester unserer Gemeinschaft die Nachfolge von Jesus von Nazareth? => Beispiele.
Evangelium
Bruder Karl wollte das Evangelium mit dem Leben verkündigen. Das Evangelium ist vor allem dazu da, gelebt zu werden. Das war der Grund warum Bruder Karl die Frohbotschaft studierte, in der Meditation vertiefte und sich aneignete. Er empfiehlt: „Das heilige Evangelium lesen und ohne Unterlass immer wieder lesen, um immer vor sich im Geist die Taten, die Worte, die Gedanken Jesu zu haben, und so denken, reden und handelen wie Jesus. Kehren wir zum Evangelium zurück, sonst lebt Jesus nicht in uns". Eine Einübung, um das Evangelium mit den Leben zu verkünden ist die geistliche Lesung. Wer das Wort Gottes liebt, hat den Willen es immer wieder neu zu lesen und zu vertiefen. Wir lesen das Evangelium immer mit der Brille, die wir auf unseren Augen haben. Das heisst, wir lesen das Evangelium von unserem sozialen Standpunkt aus und von unserem Engagement (Einsatz) her und entdecken in ihm immer nur das, was wir schon in unserem Leben verwirklicht haben. Deshalb, um den ganzen Reichtum des Wortes Gottes zu entdecken, ist es unabdingbar das Evangelium gemeinsam und zusammen mit den Brüdern, im Team zu lesen und auf dem laufenden zu sein, was die Exegeten an Neuem entdecken. Es sit wichtig die historische Dimension Jesu immer vor Augen zu haben. Der Inhalt des Evangeliums Jesu, seine Predigt, ist die Verkündigung der Nähe des Reiches Gottes.
Welchen Stellenwert hat in unserem persönlichen Leben und bei den Bruderschaften die Betrachtung, das gemeinsame Lesen, das gemeinsame Gespräch und das vertiefende Studium des Wortes Gottes? => Beispiele
Um allen Menschen Bruder zu werden
ALLEN MENSCHEN BRUDER SEIN heisst: jeden Menschen, der auf mich zukommt, mit Liebe, Freundlichkeit, Freude und Aufmerksamkeit auf und annehmen, in jedem einen Bruder, eine Schwester sehen und besonders diejenigen aufnehmen, die Jesus als seine Brüder und Schwestern ansieht und mit denen er sich identifiziert. Matheus 25.31.
Die Armen und Vergessenen, die Ausgestossenen, Ausgegrenzten
Die Opfer und die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten
Die Kranken
Die Frauen, die Kinder und die Alten
Die „anderen", die „anders sind" und sich nicht einfügen und uns beunruhigen (die Gefangenen, die Hippies, die Terroristen)
Die „anderen" „die verschieden sind" auf Grund ihrer Religion oder ihrer Kultur.(die Fremden, die Muslime).
Wie lassen sich die Mitglieder unserer Priestergemeinschaft auf diese Gruppen ein? => Beispiele.
Um zu wissen, ob wir Brüder sind, hängt nicht von unserer Einschätzung ab. Wer mir sagt, ob ich Bruder bin, bin nicht ich selbst, sondern der andere.
Wie die universale Bruderschaft leben? Brüderlichkeit und Solidarität in die Welt zu bringen, kann nicht nur einfach ein persönlicher Versuch sein. Es ist ein umfangreiches Projekt um ungerechte Strukturen zu ändern, die das brüderliche Zusammenleben in der Welt verhindern. Um das zu erreichen müssen wir lernen die politische Dimension unseres Glaubens Ernst zu nehmen.
In welchem Sinn hilft uns die Bruderschaft brüderlich mit anderen umzugehen und die universale Bruderschaft in Angriff zu nehmen? => Beispiele
Uns dem Vater überlassen
Uns dem Vater überlassen, nicht als Sklave, sondern als Partner. „Er weckt mir das Ohr, damit ich wie ein Jünger höre" (Jes.50.4). Sich dem Vater überlassen ist die ganzheitliche Antwort auf seine zuvorkommende Liebe. Sich dem Vater überlassen heisst, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für ihn. „Wenn das Weizenkorn, das in die Erde gefallen ist nicht stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht" (Jo.12.24). Sich dem Vater überlassen heisst, nicht mehr Angst haben vor den Feinden des Reiches Gottes, besonders nicht mehr Angst haben vor dem letzten Feind der zu besiegen ist, dem Tod. Wer seine Angst besiegt hat und im Mass er sie besiegt hat, ist ein freier Mensch geworden.
AN DEN BRENNPUNKTEN VON WELT UND KIRCHE LEBEN
Unsere Welt – die Herausforderung
Wr schauen auf die Welt von unserem sozialen Standpunkt aus, an dem wir uns befinden. Wir haben uns schon daran gewöhnt die Welt in die Achse Nord – Süd zu teilen. Das Kriterium dieser Einteilung ist der ökonomische Gesichtspunkt. Der reiche Norden, geschickt und aufgeweckt und der arme Süden, der alles über sich ergehnen lässt und nicht reagiert. Aber es gibt eine andere Achse, die mit weniger Klarheit bemerkt wird. Die Achse Okzident und Orient. Der Okzident, der sich bisher immer und in allem überlegen fühlte ist nun vom Orient herausgefordert. Die Herausforderung richtet sich an seine Religion, seine Kultur und sogar an seine Wirtschaft (China). Die Anklage des Orients lautet: Der Okzident ist dekadent in seinen Gebräuchen, sittenlos in seiner Sexualmoral, seiner Religion gegenüber untreu und abtrünnig und in seiner Politik imperialistisch. Die Antwort des Okzidents: Der Orient ist fundamentalistisch, terroristisch, agressiv und intolerant, gewalttätig und voller Ressentiments.
Unsere Welt – der Wirtschaft unterworfen
Wer wahrscheinlich immer versucht hat die Herrscahft über die Welt auszuüben ist das Geld. Dieser Götze, der wie Gott sein will hat einen Namen „Mamon", Satan. Der Kapitalismus hat lediglich seinen Namen geändert, am Markt orientierte Wirtschaft, Neo-liberalismus, aber er bleibt der selbe alte und immer gleiche Kapitalismus. Das Konsumverhalten bestimmt mehr und mehr das Leben der Menschen und das Zusammenleben in der Gesellschaft. Der Kapitalismus erzeugt die sozialen Unterschiede, er erzeugt den Ausschluss und die Armen, er lebt auf Kosten von ihnen. Das Kapital immer mehr konzentriert in der Hand von immer weniger Institutionen, nicht mehr kontroliert von der Gesellschaft hat es geschafft das Leben von immer mehr Menschen zu unterdrücken und auszubeuten, sowohl im privaten Bereich, als auch des öffentlichen Lebens. Der Kapitalismus hat es nie geschafft die Frage der Arbeit zu lösen und die Frage der Mittel (Rohstoffe). Er erzeugt die Arbeitslosigkeit und die Zerstörung der Natur.
Unsere Kultur
Da sich unsere Versammlung schon das Thema gestellt hat: „In der Kraft des Geistes in unseren Kulturen und Kirchen das Zeugnis Bruder Karls wiederzuentecken", verdient dieser Teil besondere Aufmerksamkeit.
Eine multikulturelle und migratorische Kultur
Besonders in Europa und den Vereinigten Staaten, aber mehr und mehr in allen Ländern der Welt gibt es das Phänomen der Einwanderung. Die Einwanderer, in wachsender Zahl bilden eine ausdruckstarke, bedeutende Gruppe. Sie bringen mit sich ihre Sprache, ihre Religion, ihre Kultur. Mit ihren andersartigen Sitten und Gebräuchen und mit ihrer verschiedenen Art das Leben zu gestalten, beeinflussen (stören) sie in die Kultur der Länder ihrer Einwanderung und in das Zusammenleben der Menschen dieser Länder. Wer die grosse Herausforderung der universalen Brüderlichkeit leben will, muss lernen mit den anderen zu reden, sie zu verstehen, mit ihnen zusammenleben, um mögliche Schocks zu vermeiden.
Eine Stadtkultur
In Brasilien lebten 1960 80% der Bevölkerung auf dem Land. Heute 2006 leben 80% der Bevölkerung in der Stadt. Die Stadt ist anziehend, plural, sie bietet viele Möglichkeiten, sie regt die Menschen an, Entscheidungen zu treffen, sie trägt dazu bei, dass die Menschen sich autonom fühlen. Zur gleichen Zeit ist die Stadtkultur Grund für die Anonymität und die Anomie (Nichtbefolgung von Normen) im Zusammenleben der Menschen. Es gibt keine soziale Kontrolle mehr. In der Stadt fühlen sich die Menschen frei aber auch vereinsamt und allein.
Eine Kultur der Gewalt
Brasilien ist heute ein Land der Gewalttätigkeit. Gewalttätigkeit in der Familie, in der Schule, im Verkehr, gegen die Frauen, Raub und Überfall sind an der Tagesordnung. Es gibt eine wachsende Kriminalität. Gewalt gegen die Natur.
Die Theorie von René Girard besagt, dass das menschliche Herz Sitz eines Verlangens ist, das er als den „mimetischen Wunsch" bezeichnet. Dieses mimetische Verlangen erzeugt Rivalität, Ausschluss, Gewalt, Krieg und Zerstörung. Die Überwindung des Konflikts kommt zustande, wenn alle sich um einen Sündenbock sammeln und ihm die Schuld zuschieben. Die Einheit und der vorläufige Friede kommt zustande, indem sie auf diesem Opfer alle Gewalt entladen. Nach Girard ist diese Tendenz in alle Kulturen und sozialen Systhemen zu finden. Aber es gilt auch, dass das Menschsein nicht einfach nur auf das mimetische Verlangen zurückzuführen ist. Es gibt die Möglichkeit diese Tendenz zu überwinden. Die Botschaft der Heiligen Schrift und ein Leben in der Nachfolge Jesu, des unschuldigen Opfers, und seines Evangeliums öffnet den Weg zum Frieden.
Eine liberal und tolerante Kultur
Jeder Mensch hat die Sehnsucht frei zu sein und ohne Grenzen zu leben. Die Menschheit hat Freiheit errungen und verteidigt sie als höchsten Wert der Person. Freiheit der Religion, der Presse, Meinungsfreiheit, Freiheit sich zu bewegen. Die Herausforderung besteht darin zu verstehen dass Freiheit nicht heissen kann, dass jeder tun und lassen kann was er will. Frei ist wer Grenzen akzeptiert. Ohne Freiheit gibt es keine Zusammmenleben.
Eine wissenschaftlich und technologisch geprägte Kultur
Die Gesellschaft in der wir leben ist geprägt von der Wissenschaft und der Technologie. Die Entdeckungen und Erfindungen machten das Leben angenehmer und bequemer. Die Kommunikation in allen Bereichen des Lebens, vom Radio, über Fernsehen, Telefon, Handy, bis hin zim Computer, die Autos, die Forschungen im Bereich der Gesndheit, die Medikamente und viele andere Errungenschaften konnten auf der einen Seite die Lebensqualität beachtlich steigern, aber auf der anderen Seite brachten sie auch Komplikationen mit sich. Wissenschaft und Technologie bedürfen der Ethik. Wir leben mehr und mehr in einer Zweitwelt, die wir selbst geschaffen haben. Diese Welt diktiert uns die Normen unserer Verhaltensweise. Dagegen ist die Welt, die Gott geschaffen hat, die Natur, die Schöpfung immer mehr entfernt und immer weniger respektiert.
Eine Kultur, die noch lernen muss, ekologisch zu sein
Auf der Erde leben im Augenblick mehr als sechs Billionen Menschen. Alle wollen essen, sich kleiden, ein Haus haben, wohnen. Wir sind dabei unseren Planeten Erde zu plündern. Wir sind verantwortlich für die Klimaänderungen, für die vergifteten Nahrungsmittel. Wir müssen lernen die vorhandenen Güter, das Erdöl, das Wasser, die Luft, die Wälderzu schützen und in gerechter Weise zu teilen.
Eine Kultur die demokratisch sein will
Der christliche Glaube hat eine politische Dimension. Die Politik ist die Kunst das Zusammenleben von Menschen, Gruppen und Völkern zu ermöglichen. Leider wird die Politik von Mal zu Mal mehr als Machtkampf gesehen. Und von Mal zu Mal weniger als Dienst am Gemeinwohl aller. Im öffentlichen Leben gibt es viele private Interessen. Die Politik ist der neo-liberalen und globalisierten Wirtschaft unterworfen, die nur ein Minimum an Staat zulassen will und wird von ihr bestimmt.
Eine Kultur die lernen muss gerecht zu sein und die Würde des Menschen und die Menschenrechte zu verteidigen
Nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch mehr und mehr auf nationaler Ebene zeigt sich der Abgrund von Eliten und Massen. Die Gehälter von Wirtschaftsmanagern und Beamten (Abgeordneten und Richtern) sind immer höher, die Privilegien immer grösser. Auf der anderen Seite ist die Arbeitslosigkeit, der Verlust von erworbenen Rechten der Arbeiter, das Fehlen von Chancengleichheit im Erziehungs und Gesundheitswesen. Der Menschenhandel, von Frauen für die Prostitution, von Kindern als Organspender. Es ist in höchsten Mass dringend zu fordern und sich dafür einzusetzen, dass alle vor dem Gesetz gleich behandelt werden.
Was heisst für uns Priester der Priestergemeinschaft an den Brennpunkten der Welt leben?
Unsere Kirche – Volk Gottes
Als Papst Johannes XXIII das 2.Vatikanische Konzil einberief, wollte er die Fenster der Kirche öffnen. Er spürte die Notwendigkeit des „aggiornamento" um die Kirche mit der modernen Welt zu versöhnen. Es schien ein Frühling anzubrechen. Die Welt war voller Hoffnung und hatte an die Kirche Erwartungen. Der Heilige Geist wehte stark. Das Konzil verabschiedete ausgezeichnete Dokumente. Das Dokument Gaudium et Spes betont von neuem dass das Ziel der Kirche nicht sie selbt ist, sondern dass sie ein Zeichen de Reiches Gottes ist und die Sendung hat die Welt zu verändern.
In Lateinamerika dem Kontinent mit den meisten Katholiken in der Welt, verabschiedeten die Bischöfe die Dokumente von Medellin; sie wollten die Beschlüsse des Konzils auf den Kontinent zu übertragen. Die nach-konziliäre Zeit in Lateinamerika war die Zeit einer prophetischen, lebendigen und offenen Kirche. Die kirchlichen Basisgemeinden erreichten ihre Blüte, die Theologie der Befreiung, die Aufwertung der Laien und der neuen Ministerien. Während der 3. Konferenz der lateinamerikanischen Bischöfe in Puebla erneuerte die Kirche ihre Option für die Armen. Viele Männer und Frauen kämpften für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit in echt christlichem Geist. Nach dem Konzil gab es in Lateinamerika eine Zeit der Propheten. Sie wurden zum Schweigen verurteilt. Viele Christen bezahlten ihren Einsatz mit dem Martyrium und ihrem Leben. Die Kuppel in der Kirche war besorgt. Es begann die Rückkehr in die grosse Disziplin. (Titel eines Buches von J.B.Libânio SJ). Die Theologie der Befreiung musste harte Kritik hinnehmen. Anstelle der kirchlichen Basisgemeinden, Ausdruck des Wehens des Geistes in Lateinamerika behaupteten sich die neuen kirchlichen, importierten Bewegungen. Viele Bräuche, die schon als überwunden geglaubt wurden, wurden von neuem in die Kirche eingeführt. Der Fundamentalismus und der Klerikalismus hielten ihr come-back. Die Kirche verstand nicht die Zeichen der Zeit zu deuten und schob einen Riegel vor, und liess nicht zu die „viri probati" weihen zu können. Wegen des chronischen Priestermangels und wegen der Abwesenheit der katholischen Kirche im äusserst schnellen Prozess der Urbanisation, breschten in Lateinamerika die Kirchen der „crentes" der „Gläubigen" vor, wie sie sich selbst nennen. Es handelt sich vor allem um Pfingstkirchen, die heute ungefähre 20% der Bevölkerung erreicht haben.
In Europa kann man eine interne Krise der Kirche beobachten, die Agonie der Volkskirche. Die Hierarchie schafft es nicht mehr die Strukturen aufrecht zu erhalten. Kirchen werden geschlossen, oder verkauft, Pfarreien werden stllgelegt. Die Menschen sind indifferent geworden. Kirche und Glaube werden einfach ignoriert. Viele machen die Erfahrung, dass es möglich ist ohne Gott und ohne Kirche zu leben.
Die Mission. Das Konzil lehrt: Die Kirche ist von Natur aus missionariisch (AG 2). Aber was heisst Mission? Trotz des guten Willens und einer enormen missionarischen Tätigkeit mit der religiösen Mission auch Entwicklungshilfe zu leisten, fühlen viele Völker und ethnische Gruppen die Mission als Kolonisierung und als Angriff auf ihre religiöse Identität und als kulturelle Bevormundung.
Bruder Karl war Missionar. Und trotzdem war er fähig zu schreiben: Den Tuareg Jesus zu
Verkünden sei es durch mich oder durch jemand anderen, ist ein Unternehmen, das meiner Meinung nach, nicht einmal Jesus gut heissen würde. Es würde mit Sicherheit bedeuten, die Bekehrung der Tuareg zu verzögern. (Brief an Mons. Guerin, 6. März 1908). Bruder Karl war nicht besorgt eine möglichst grosse Anzahl von Menschen zu taufen und sie zu seiner Religion zu bekehren. Sein Verständnis von Mission war: Mission einfach durch Gegenwart. Bevor die ausdrückliche Verkündigung des Wortes Gottes beginnen, wollte er von den anderen lernen. Er lernte ihre Sprache, ihre Gebräuche, er versuchte ihnen Freund sein und von ihnen angenommen zu werden. Er war besorgt, wie den Ackerbau zu verbessern, die Herden , wie die Lebensqualität zu verbessern. Er wollte das Evangelium durch sein Zeugnis und sein Beispiel herausschreien. Es war ein Apostolat der Gütre, der Freundschaft, der Liebe allen gegenüber und wegen seiner Liebe zu Jesus und seiner Religion. Er wollte Missionar sein rein durch seine Gegenwart. Ele wollte das Evangelium durch sein Leben verkünden. Er träumte von Laienmissionaren, von christlichen Familien, die unter den Tuareg leben, ihren Beruf ausüben und lehren sollten wie das Leben zu verbessern. Bruder Karl steht am Ursprung der kleinen Bruderschaften, der Basisgemeinden.
Was heist für uns Priester der Priestergemeinschaft an den Brennpunkten von Kirche zu stehen?
Wie Mission verstehen?
IM GEIST BRUDER KARLS
Um das Leben Bruder Karls besser zu verstehen zu können, ist es wichtig, den Einfluss, den der Islam auf ihn ausgeübt hat, sich vor Augen zu halten Während seiner Erkundungsreise durch Marokko, als er noch nicht zum Glauben gefunden hatte, war er beeindruckt vom Glauben der Muslime und hat seine Bewunderung nicht verborgen. Kurz nach seiner Priesterweihe reist er nach Algerien und lebt bis zu seinem Lebensende unter den Mohamedanern. Er wollte ein missionarisches Projekt verwirklichen: Jesus bekannt machen.
Die Suche nach Gott dem Absoluten
Gegen den Monotheismus erhebt sich heute ein Verdacht, eine Anfrage und sogar eine Ankage er erzeuge Intoleranz und Fanatismus. Diese Infragestellung ist eine Reaktion, hervorgerufen durch fundamentalistische Gruppen, seien sie jüdischer, christlicher oder islamischer Prägung. Diese Gruppen sind gewalttätig weil sie nicht zulassen können, dass es auch andere Meinungen geben kann.
Aber die Hauptfrage ist: Wer ist der Gott, an den wir glauben? Der Gott Israels ist ein Gott der Befreiung. „Ich bin Iahweh, dein Gott, der dich aus dem Ägypterland, aus dem Sklavenhaus herausgeführt hat. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben" (Ex.20.1). Es scheint Gott hat einen Gegner und er ist im Krieg mit den falschen Göttern. Iahweh ist im Krieg gegen das Böse (gegen den Bösen). Der chrisliche Gott ist Dreifaltigkeit, Gemeinschaft, Liebe, Gott ist nicht ohne seine Schöpfung, die menschliche Person steht im Mittelpunkt der Dreifaltigkeit. Gott erwählt ein Volk, beginnt mit ihm eine Geschichte und er greift ständig in die Geschichte dieses Volkes ein. Der Gott der Christen steht ständig in Relation; er ist präsent (gegenwärtig) in der Geschichte, er ist tranzendent aber er ist auch immanent. Der Gott der Christen ist kein unnahbarar Gott, er lebt nicht in Einsamkeit, er ist nicht reine Transzendenz.
Der Glaube an die Absolutheit Gottes, muss notwendig zur Intoleranz führen? Der Glaube dass Gott absoluter Herrscher ist, könnte nicht vielmehr behilfich sein, dem Leben einen Sinn zu und eine Richtung zu geben, die Indifferenz und den Ekel eines Lebens ohne Sinn zu überwinden?
Gott als Absolutheit zu haben heisst ihn lieben. Das „shema Israel" des Buches Deuternomium 6.4., das im Markusevangelium (und Parallelen) wieder aufgegriffen wird, lehrt uns zu lieben. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, aus deinem ganzem Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Kraft. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Mk.12.29). Gott wird für mich absolut, sobald er in seiner Grösse und Herrlichkeit erfahren wird, von Angesicht zu Angesicht, unmittelbar und ohne Zwischeninstanz. Wenn er selbst erfahren wird und nicht ein Abbild von ihm oder ein Zeichen oder ein Symbol.
Bruder Karl, als er noch ungläubig und indifferent war, war beeindruckt als er sah wie die Muslime ihren Glauben praktizierten. Nach seiner Bekehrung schreibt Bruder Karl: „Als ich anfing zu glauben, dass es einen Gott gebe, war mir klar, dass ich von jetzt an nur für ihn leben konnte". Gott wurde für Bruder Karl absoluter Partner. Der Glaube änderte sein lethargisches Leben, das ohne Ziel war, in ein Leben voller Sinnhaftigkeit und voller Hoffnung. Es begann das Abenteuer des Tanzens mit dem unsichbaren Partner. Bruder Karl wurde dadurch niemals fanatisch oder intolerant, im Gegnteil der Glaube an die Absolutheit Gottes und an seinen Sohn Jesus Christus machte ihn sehr menschlich und voller Liebe.
Wie können wir Priester der Priestergemeinschaft beitragen zu einer ökumenischen und interreligösen Annäherung und Verständigung?
Die grenzenlose (universale) Brüderlichkeit – Die Solitarität der Liebe
Der Traum Bruder Karl war es, Bruder aller zu sein. Dieser Traum war keine gegenstandslose Träumerei, sondern er war sehr konkret. Universale Liebe heisst zu den Verlassensten, Verachtesten und zu den Vergessensten zu gehen, niemanden allein lassen. Der Weg um allen Bruder zu sein ist: Jeden Menschen der auf mich zukommt, wer immer es auch sei, mit Freundschaft und als Bruder zu behandeln. Wenn ich am Ende meines Lebens sagen kann, dass ich alle als Brüder (und Schwestern) behandelt habe, war ich der Bruder aller. Diese Brüderlichkeit über alle Grenzen hinaus entsteht und wächst jeden Tag neu in der Annahme aller, wer immer es auch sei, die auf mich zukommen. Der Mittelpunkt bin schon nicht mehr ich, sondern der Andere. Ausserdem, der Weg um eine universale Brüderlichkeit aufzubauen, beinhaltet Strukturen verändern und die Gesellschaft neu zu organisieren, zum Beispiel die Erziehung zu Solidarität. Gerechtigkeit und zu Freundschaft. Der Weg um die universale Brüderlichkeit zu leben beginnt damit, in kleinen aber wahrhaftigen Bruderschaften zu leben. Diese kleinen Bruderschaften durch ihr Lebenszeugnis, können ein Zeichen der universalen Bruderschft sein.
Die evangelischen Räte
Anstelle von Gelübden zu reden ziehen wir den Ausdruck „Evangelische Räte"vor. Das Evangelium selbst empfiehlt diesen Lebensstil. Nach den evangelischen Räten leben heisst das eigene ich überwinden, den Wunsch nach Macht, nach Reichtum und nach Lust in sich zu besiegen (die drei Versuchungen Jesu) und den anderen in die Mitte zu stellen. Dazu ist nur fähig wer lieben will. Der Heilige Geist selbst weckt den Wunsch und den Willen so leben zu wollen. Diejenigen die die evangelischen Räte leben, werden vom Evangelium „selig" genannt; sie wandeln sich in innerlich vollkommen freie Personen. Ihnen fehlt es an nichts.
Als Armer leben
Gewöhnlich werden drei Stadien unterschieden: für die Armen leben, mit den Armen leben, wie die Armen leben. Der Grund warum jemand als Armer leben will, kann nicht negatriv, die Verachtung der materiellen Dinge sein, sondern positiv, eine Frage der Liebe und der Solidirität. Bruder Karl: „Ich kann nicht in der ersten Klasse durchs Leben fahren, während Jesus in der dritten Klasse reiste. So kann ich nicht lieben. Wie schnell wird arm sein, wer aus ganzem Herzen Jesus liebt, denn er wird es nicht ertragen können, reicher zu sein als der Geliebte". Aber als Armer leben heisst nicht nur sich der materiellen Güter zu entledigen. Die geistige Armut ist mehr als das. Arm sein im Geist heisst das Herz vollkommen zu entleeren. Gott kann dann in es einziehen und es mit seiner Liebe füllen. Ein Herz das so, in dieser Weise, arm ist, ist fähig alle zu lieben.
Ehelos leben um des Reiches Gottes willen
Ehelos leben, nicht aus Verachtng der Ehe, auch nicht einfach um Jesu willen, sondern um des Himmelreiches willen. Wer sich kastriert, nimmt in Kauf impotent, machtlos zu sein. Er will die Ausschliesslichkeit in der Beziehung zu anderen Personen überwinden, um verfügbarar zu sein zu lieben. Nicht allen ist es gegeben das zu verstehen. „Wer es fassen kann der fasse es"(Mt.19.11).
Gehoram sein
Bruder Karl: „Der Gehorsam ist der letzte, der höchste und perfekteste Grad der Liebe, es ist jener Grad der Liebe in dem jemand zulässt nicht mehr selbst und persönlich zu existieren, in dem jemand sich selbst entäussert, in dem man stirbt, wie Jesus am Kreuz". Gott will dass eine Person sich auslöscht? Ich glaube nicht! Nicht Gott aber ich selbst aus freiem Willen, nehme mich zurück in den Wünschen, Ideen, Plänen und Zielen meines Ich. Ich bin dazu bereit, weil ich den Willen des Vater tun möchte. „Meine Speise ist es den Willen dessen zu tun de rmich gesandt hat"(Jo.4.34).
UNSERE WEGE – DIE MITTEL DER PRIESTERGEMIENSCHAFT
Die Bruderschaft – der monatliche Tag der Bruderschaft
Die Priestergemeinschaft Jesus Caritas existiert nur in den kleinen, lokalen Bruderschaften. Ohne sich in den kleinen Bruderschaften zu treffen, gibt es keine Priestergemeinschaft. Hier sind wir Tag für Tag, sehr konkret gefordert das Evangelium zu leben. Die Begenung mit der Person des Bruders, bereichert mich, korrigiert mich, macht mich reifer und ist notwendig damit ich meine eigene Idetität finde. Die Bruderschaft ist eine Gruppe von Brüdern und von Freunden. Brüder erhält man, man kann sie nicht aussuchen. Freunde und Freundschaft ist ein Geschenk und zu gleicher Zeit eine Aufgabe, es ist möglich sie aufzubauen und zu pflegen.
„Die Bruderschaft ist wahrhaft Kirche". Ist diese Aussage der Wegweisung theologisch korrekt? Eine Gruppe nur von Priestern kann als Kirche angesehen werden?
Unterwegs zu einem kontemplativen Leben
Kontemplativ sein hängt in erster Linie nicht von uns ab. Es ist ein Geschenk Gottes der uns motiviert und in uns die Sehnsucht nach Gebet erweckt. Kontemplativ sein heisst mit den Augen Gottes sehen. Wer sich von einem kontemplativen Leben angezogen fühlt, muss sich im Klaren sein, dass er einen steinigen Weg vor sich hat. Um den „Berg Karmel zu besteigen", muss er bereit sein „die dunkle Nacht" auszuhalten und sie zu besiegen. So muss er Selbstzucht, Ausdauer und Treue lernen. Die Mittelmässigen schaffen es nicht. Im Mass in dem jemand auf dem Weg der Kontemplation voranschreitet, wird er umgewandelt in eine innerlich freie, in sich integrierte Persönlichkeit, die in Frieden mit sich selbst lebt, alle Gewalt in sich überwunden hat und sich vom Vater angenommen und geliebt fühlt. Der Kontemplative hat die Mitte seines Lebens in Gott gefunden. Er versucht nicht mehr seine eigenen Projekte und Pläne zu verwirklichen, sonder fragt sich, wie er den Willen Gottes verwirklichen kann. Er hat in seinem Leben nur diesen einen Wunsch: „Vater, dass sie Dich den allein wahren Gott erkennen" (Jo17.3). Gott in seiner Herrlichkeit erkannt zu haben verändert vollkommen das Leben eines Kontemplativen, seine Art zu sehen, zu leben und zu handeln. Seine Speise ist es von jetzt an den Willen des Vaters zu tun.
Haben alle eine kontemplative Berufung?
Das tägliche eucharistische Gebet – die Anbetung
In den Bruderschaften tauchte schon die Frage nach dem Sinn der eucharistischen Anbetung auf, eine Frage die auch heute aktuell ist. Unser Vesrtändnis von Eucharistie ist dynamisch nicht statisch. Eucharistie ist Zelebation, ist Handlung. Macht es Sinn das konsakrierte Brot, die Hostie anbeten? Anbetung ist nur ein Akt persönlicher Frömmigkeit oder mehr als das? Eine andere Frage: Beten wir die Hostie an, oder beten wir zu Gott vor der Hostie?
Eucharistie feiern heisst: Sich um einen Tisch versammeln im Gedächtnis an Jesus Christus – tut dies zu meinem Gedächtnis – um zusammen zu essen, das Brot und den Wein und unser Leben zu teilen. Das Zusammensein, das Teilen schafft Kommunion, Gemeinschaft. Die Gemeinschaft bewirkt die Gegenwart Jesu. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt.18.20). Mit der Gegenwart Jesu Christi kommt Friede, neues Leben, (Er)lösung und Versöhnung. Diese und andere Geschenke sind die Gaben Gottes als Antwort auf das Leben Jesu und seiner Liebe bis zum Ende. Diese Gaben machen uns stark, schaffen Einheit, und beseelen uns, um nun aus eigener Initiative, als ein einziger Leib, dem Beispiel Jesu Christi zu folgen und zu handeln wie er gehandelt hat in seiner Liebe bis zum Ende.Lieben bis zu Ende heisst das Leben für (in Vertretung von, anstelle von), seine Freunde hingeben (Jo.15.13). Eucharistie feiern heisst, wenn wir handeln wie Jesus Christus, sind wir vom Vater mit Gaben überreich beschenkt. Seine Gaben bereichern uns und machen sein Reich gegenwärtig unter uns. Eucharistie heisst dem Vater antworten ihn ehren und wollen dass er erkann und anerkannt sei, ist der Wille ihm zu danken, indem wir unser Leben hingeben und zurückerstatten mit Jesus und wie Jesus.
Die Eucharistie anbeten oder vor der Euchristie den Vater anbeten setzt die Überzeugung voraus, dass Jesus im konsakrierten Brot vor mir gegenwärtig ist. Seine Gegenwart ist eine dynamische, keine statische Gegenwart. Jesus ist gegenwártig in seiner Person, in seinem Geist. Die Eucharistie anbeten heisst Jesus Christus betrachten, und sich vor Augen halten, immer wieder neu, sein gelebtes Leben, seine Geburt, seine Kindheit, seine Taufe, sein öffentliches Leben, seine Unterweisungen, sein Weg nach Jerusalem, sein Leiden, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung. In der stillen und verweilenden Anbetung, vor Jesus gegenwärtig im konsakrierten Brot, können wir die Erfahrung machen, dass die verweilende und treue Anbetung Jesu nach und nach und ohne dass wir es merken, uns in den verwandeln den wir anbeten. Die eucharistische Anbetung ist eine Notwendigkeit auf dem Weg zur Kontemplation. Vor der Eucharistie beten bedeutet sich in die Gegenwart Jesu zu versenken. Er ist der Weg, der uns zum Vater führt.
Der monatliche Wüstentag
Es ist notwendig sich in die Wüste zurückzuziehen, denn dort treffen wir Gott. Abraham, Moses, das Volk Gottes während 40 Jahre hatten Erfahrung der Wüste. Die Wüste ist ein Ort der Reinigung, des Hinhörens, um in der Stille Gottes Anruf zu vernehmen. Johannes der Täufer kommt aus der Wüste. Jesus wird vom Geist in die Wüste getrieben. Die Wüste ist der Ort der Versuchung, der Probe, aber auch der Ort der Umkehr und einer neuen Begegnung mit Gott. „Darum, siehe, will ich sie locken und in die Wúste führen und ihr zu Herzen reden" (Hos.2.16). Der Wüstentag, in Treue gehalten, ist eine immer neue Gelegenheit der Begegnung mit Gott. Weil er Ort des Hörens und Weg zu einem kontemplativen Leben ist, ist er eine Notwendigkeit.
Die armen Mittel
„Jesus ist der Meister des unmöglichen". Mit diesem Ausspruch will Bruder Karl nicht sagen Jesus stehe über den Naturgesetzen., sonder er will sagen, dass die Wege Jesu unser Verstehen übersteigen. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege" (Is.55.8). Jesus zieht die einfachen und armen Wege vor, sie sind anders als wir uns vorstellen. Er sendet seine Jünger aus, ungeschützt, ohne Stock, ohne Gepäck, ohne Proviant, ohne Geld und ohne Kleider. Nur wer sich der menschlichen Mittel entblösst kann die Hilfe Gottes erfahren. Wer freiwillig der Mittel entsagt, macht Gott den Weg frei zu handeln.
Die Lebensbetrachtung
Die Lebensbetrachtung gilt als das Sakramente der Bruderschaft. Ohne Lebensbetrachtung kommt keine wirkliche Bruderschft zustande. Wenn eine Bruderschaft nicht vorankommt mit der Lebensbetrachtung, das ist ein Zeichen, dass sie noch nicht erreicht hat, wahrhaftige Bruderschaft zu sein. Diese setzt Transparenz unter den Brüdern voraus. Der Grund des Fehlens von Transparenz ist das Misstrauen und die Angst vor den anderen. In der Liebe gibt es keine Furcht mehr (1 Jo.4.18). Die Lebensbetrachtung kann nur gelingen im Mass des Vertrauens unter den Brüdern. Sein Leben vor anderen aufzudecken ist nur möglich, wenn die Brüder die Sicherheit haben, dass sie so angenommen sind wie sie sind. Lebenserneuerung kann nicht heissen, Forderungen an den anderen zu stellen. Die Lebenserneuerung ist ein Prozess, sie ist nur möglich nach einer Zeit des Zusammenlebens und gegenseitigen sich Kennen Lernens, wenn die Brüder das Misstrauen und die Angst voreinander überwunden haben.
Der Nazarethmonat
Der Nazarethmnat, von einer Dauer nicht weniger als 30 Tage, wird von den Brüdern, die an ihm teilnehmen als eine intensive Zeit der Gnade erfahren. Ausser den Exerzitien ist es eine Einführung treu zu sein in der Anbetung, der Lebensbetachtung, und dem monatlichen Wüstentag. Die Teilnahme ist eine Hinführung zum Versprechen.
Das Versprechen – Engagement
Unter den Bruderschaften wurde schon über den Sinn eines Versprechens diskutiert. Haben es die Priester nach ihrer Weihe noch notwendig sich zu engagieren? Ja! Denn durch die Priesterweihe wurden sie Diözesanpriester, aber nicht schon „eo ipso", Mitglieder der Priestergemeischaft Jesus Caritas. Um Mitglied zu sein muss es ein Engegement geben. Ohne Verbindlichkeit gibt es keine Bruderschaft, keine Stabilität und keinen Weg. Wer der Priestergemeinschft beitreten will, muss seinen Wunsch kundtun, aber auch die Mitglieder müssen ihre Bereitschaft erklären einen neuen Bruder aufzunehmen. Das Engagement ist ein Pakt, ein Bündnis. Um Mitglied der Bruderschft zu werden, ist es notwendig eine bestimmte Wegstrecke zu durchlaufen. Nachdem Jesus den Entschluss gefasst hatte, „nahm er entschlossen seinen Weg nach Jerusalem (Lk.9.51).
Wir unterscheiden verschiedene Phasen.
Eine Zeit des Entdeckens. Jemand entdeckt die Priestergemeinschaft, ist davon berührt und sammelt Informationen.
Eine Zeit um sie kennen zu lernen. Die beste Art und Weise sie zu kennen ist mitmachen.
Der Nazarethmonat ist eine Vorbereitung auf das Versprechen.
Die Verpflichtung, das Versprchen ist nach dem Geist der Wegweisung zu leben.
Aber konkret machen wir das Engagement auf eine lokale Bruderschaft.
Unsere Identität als Priester der Priestergemeinschaft – Unser Lebensstil
Mitten im Leben stehen. Leben „au coeur des masses", nicht flüchten oder sich zurückziehen hinter die kirchliche Institution.
Anteil nehmen an der Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. (GS1)
Die Option für die Armen gemacht haben und sich mit ihnen solidarisieren.
Diese Option in die pastorale Arbeit umsetzen
Auf Privilegien verzichten
Ein einfaches Leben in allem, im Essen, in der Kleidung, in der Art zu wohnen.
Nicht nur Eucharistie feiern, sondern sie leben in der täglichen Hingabe des Lebens für Gott und die Brüder und Schwestern
Das eucharistische Brot und das tägliche Brot miteinander teilen und weiter verteilen.
Bruder sein, alle die auf uns zukommen in Liebe und Freundschaft empfangen.
Zeit für Gott haben. Grosszügig sein im Gebet, in der Schriftlesung. Dem Vater die besten Momente des Tages reservieren.
Nach einem kontemplativen Leben trachten
Das Evangelium mit dem Leben herausschreien
Zeugnis seines Glaubens geben in missonarischer Haltung
Dafür eintreten dass die universale Brüderlichkeit in der Welt Wirklichkeit wird.
Vor Gott Kind werden und das Herz eines Kindes haben.
Die Priestergemeinschft und das Leben in der Bruderschaft haben uns geholfen unseren Lebensstil zu findne? Wie?
Was ist zu tun, damit sich unsere Mittel nicht Gestze werden, die man erfüllen muss, sondern Einladung
MIT EINEM MINIMUM AN STRUKTUREN
Während meiner Zeit als Generalverantwortlicher wurde ich verschiedene Male gefragt, wo der Sitz der Priestergemeinschaft sei. Braucht die Priestergemeinschft einen eigenen Sitz oder ändert sich der Sitz je nach der Adresse des Generalverantwortlichen im Amt?
In den Jahren der Existenz der Priestergemeinschaft wurden eine Menge von Dokumenten produziert, Birefe, offizielle Berichte, Zeitschriften, Akten der Generalversammlungen oder anderer Treffen, Fotos und Videofilme usw. Wäre es interessant einen Ort zu haben, ein Büro, um all dieses Material zu archivieren? Wer würde der Archivar sein? Wäre es gut die gleiche Frage auf Regionalebene zu diskutieren?
In der Wegweisung Nummer 60 bis 65 sind aufgeführt „Treffen" und „Korrespondenz". Meines Erachtens müssten diese Themen unter der Überschrift „Mittel" und „Strukturen" behandelt werden. Auf der anderen Seit befindet sich die Definition, was wir unter einer „Region" verstehen, obwohl sie eine Struktur ist, unter der Überschrift „Die Verantwortlichen und ihre Aufgaben". Desgleichen was hinsichtlich der „Generalversammlung" Nummern 88 bis 90 und der „Finanzen" Nummern 91 und 92 gesagt ist, müsste unter dem Titel „Strukturen" und nicht unter derm Titel „Verantwortliche" stehen.
Wäre es interessant einen „site" im Internet zu eröffnen oder auszubauen und zugänglich zu machen?
Bis heute haben die Europäer und die USA mit Grosszügigkeit die Kosten des internationalen Teams bestritten. Hat jede Region die nötigen finanziellen Mittel um ihre Unkosten zu begleichen?
DIE VERANTWORTLICHEN UND IHRE DIENSTE
Wenn ich mich nicht irre, gibt es de facto „kontinentale Verantwortliche", wenigstens gilt das für Europa. Sie sind nur in den Statuten erwähnt nicht aber in der Wegweisung.